Der Kurs vermittelt den Aufbau belastbarer Timelines aus heterogenen Dissect-Records. Zeitquellen werden fachlich bewertet, normalisiert, gefiltert und mit Benutzer-, Prozess-, Datei-, Netzwerk- und Systemkontext zu nachvollziehbaren Ereignisketten verbunden.
Inhaltsverzeichnis
- Untersuchungsfrage und Timeline-Zweck
- Zeitquellen und Zeitsemantik
- Zeitzone, Sommerzeit und Zeitdrift
- Record-Auswahl und Datenvorbereitung
- Normalisierung und einheitliches Schema
- Fokussierte Timeline
- Entitätsbasierte Korrelation
- Systemübergreifende Ereignisketten
- Hypothesenprüfung und Alternativerklärungen
- Visualisierung, Befund und Review
Lernziele
- Zeitquellen nach Entstehung, Semantik und Beweiswert unterscheiden
- Zeitzonen, Sommerzeit, Zeitdrift und unvollständige Zeitstempel kontrollieren
- Record-Streams für fokussierte und systemübergreifende Timelines auswählen
- Ereignisse anhand gemeinsamer Entitäten und Hypothesen korrelieren
- Kausalität, zeitliche Nähe und Unsicherheit transparent dokumentieren
Seminarinhalte
1. Untersuchungsfrage und Timeline-Zweck
- Schritt 1: Incident-Frage in konkrete zeitbezogene Teilfragen zerlegen.
- Schritt 2: Benötigte Granularität, Systeme und relevanten Zeitraum festlegen.
- Schritt 3: Volltimeline, fokussierte Timeline und Hypothesentimeline unterscheiden.
- Schritt 4: Erfolgskriterien und erwartete Datenlücken vor der Extraktion dokumentieren.
2. Zeitquellen und Zeitsemantik
- Schritt 1: Dateisystem-, Log-, Registry-, Anwendungs- und Metadatenzeiten inventarisieren.
- Schritt 2: Erzeugungs-, Änderungs-, Zugriffs-, Beobachtungs- und Importzeit voneinander abgrenzen.
- Schritt 3: Veränderbarkeit und typische Fehlinterpretationen jeder Zeitquelle bewerten.
- Schritt 4: Quellsemantik als eigenes Feld oder Begleitinformation erhalten.
3. Zeitzone, Sommerzeit und Zeitdrift
- Schritt 1: Systemzeitzone und relevante historische Einstellungen erfassen.
- Schritt 2: UTC- und Lokalzeiten in ein einheitliches Arbeitsmodell überführen.
- Schritt 3: Sommerzeitübergänge und doppelte oder fehlende Lokalzeiten erkennen.
- Schritt 4: Zeitdrift durch Vergleich unabhängiger Ereignisquellen abschätzen.
4. Record-Auswahl und Datenvorbereitung
- Schritt 1: Artefaktgruppen nach direktem Bezug zur Hypothese priorisieren.
- Schritt 2: Benötigte Felder für Zeit, Host, Benutzer, Prozess, Datei und Quelle auswählen.
- Schritt 3: Ungültige, fehlende oder außerhalb des Zeitfensters liegende Records kennzeichnen.
- Schritt 4: Rohrecords vor jeder Transformation unverändert sichern.
5. Normalisierung und einheitliches Schema
- Schritt 1: Zeitwerte in eine konsistente Darstellung überführen.
- Schritt 2: Host-, Benutzer-, Pfad- und Prozessbezeichner normalisieren.
- Schritt 3: Originalwert und normalisierten Wert bei relevanten Änderungen gemeinsam führen.
- Schritt 4: Transformationen mit Version und Konfiguration protokollieren.
6. Fokussierte Timeline
- Schritt 1: Ankerereignis oder bekannten Indikator als Ausgangspunkt wählen.
- Schritt 2: Vor- und Nachlaufzeitraum anhand des Vorfalltyps festlegen.
- Schritt 3: Relevante Records sortieren und redundante Darstellung reduzieren.
- Schritt 4: Lücken und unerwartete Ereignisdichte für weitere Abfragen markieren.
7. Entitätsbasierte Korrelation
- Schritt 1: Gemeinsame Benutzer-, Prozess-, Datei-, Hash- oder Netzwerkbezüge identifizieren.
- Schritt 2: Mehrere Ereignisse zu einer nachvollziehbaren Aktivitätskette verbinden.
- Schritt 3: Namensgleichheit und tatsächliche Identität durch zusätzliche Felder prüfen.
- Schritt 4: Unsichere Zuordnungen mit ihrem Begründungsgrad sichtbar halten.
8. Systemübergreifende Ereignisketten
- Schritt 1: Zeitachsen mehrerer Hosts auf eine gemeinsame Referenz normalisieren.
- Schritt 2: Remotezugriff, Authentifizierung und Folgeaktivität über Quell- und Zielsysteme verbinden.
- Schritt 3: Übertragungs- oder Verzögerungszeiten von Logs berücksichtigen.
- Schritt 4: Frühestes beobachtetes Ereignis von tatsächlichem Eintrittspunkt unterscheiden.
9. Hypothesenprüfung und Alternativerklärungen
- Schritt 1: Für jede Hypothese erwartete und widersprechende Ereignisse formulieren.
- Schritt 2: Timeline gezielt nach bestätigenden und widerlegenden Spuren durchsuchen.
- Schritt 3: Administrative oder anwendungsbedingte Alternativerklärungen prüfen.
- Schritt 4: Hypothesen nach bestätigt, wahrscheinlich, offen oder verworfen klassifizieren.
10. Visualisierung, Befund und Review
- Schritt 1: Timeline auf entscheidungsrelevante Ereignisse und Kontextfelder reduzieren.
- Schritt 2: Quellbezug, Unsicherheit und Datenlücken in der Darstellung erhalten.
- Schritt 3: Kritische Sequenzen durch zweite Abfrage oder Quellartefakt gegenprüfen.
- Schritt 4: Ereigniskette mit Befundtext und reproduzierbaren Filtern abschließen.
Praxisübungen
- Bewertung unterschiedlicher Zeitquellen und ihrer Semantik
- Normalisierung eines gemischten Record-Satzes mit Zeitzonen- und Driftproblemen
- Aufbau einer fokussierten Hosttimeline um ein Ankerereignis
- Rekonstruktion einer systemübergreifenden Ereigniskette mit Alternativerklärung
Zielgruppe
DFIR-Analysten, Incident Responder, SOC-Analysten und Threat Hunter mit Bedarf an belastbarer Ereigniskorrelation
Voraussetzungen
Grundlagen digitaler Forensik, praktische Erfahrung mit strukturierten Artefaktausgaben und grundlegende Dissect-Kenntnisse
Fachbereichsleitung und Seminarorganisation
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Lucas Beich
Telefon: + 49 (221) 74740055
E-Mail: lucas.beich@seminar-experts.de
Seminardetails
| Dauer: | 2 Tage ca. 6 h/Tag, Beginn 1. Tag: 10:00 Uhr, weitere Tage 09:00 Uhr |
| Preis: |
Öffentlich oder Live Stream: € 1.198 zzgl. MwSt. Inhaus: € 3.400 zzgl. MwSt. |
| Teilnehmeranzahl: | min. 2 - max. 8 |
| Teilnehmer: | DFIR-Analysten, Incident Responder, SOC-Analysten und Threat Hunter mit Bedarf an belastbarer Ereigniskorrelation |
| Voraussetzungen: | Grundlagen digitaler Forensik, praktische Erfahrung mit strukturierten Artefaktausgaben und grundlegende Dissect-Kenntnisse |
| Standorte: | Stream Live, Inhaus/Firmenseminar, Berlin, Bremen, Darmstadt, Dresden, Erfurt, Essen, Flensburg, Frankfurt, Freiburg, Friedrichshafen, Hamburg, Hamm, Hannover, Jena, Kassel, Köln, Konstanz, Leipzig, Luxemburg, Magdeburg, Mainz, München, Münster, Nürnberg, Paderborn, Potsdam, Regensburg, Rostock, Stuttgart, Trier, Ulm, Wuppertal, Würzburg |
| Methoden: | Vortrag, Demonstrationen, angeleitete Analysen und praktische Übungen am System |
| Seminararten: | Öffentlich, Webinar, Inhaus, Workshop - Alle Seminare mit Trainer vor Ort, Webinar nur wenn ausdrücklich gewünscht |
| Durchführungsgarantie: | ja, ab 2 Teilnehmern |
| Sprache: | Deutsch - bei Firmenseminaren ist auch Englisch möglich |
| Seminarunterlage: | Dokumentation auf Datenträger oder als Download |
| Teilnahmezertifikat: | ja, selbstverständlich |
| Verpflegung: | Kalt- / Warmgetränke, Mittagessen (wahlweise vegetarisch) |
| Support: | 3 Anrufe im Seminarpreis enthalten |
| Barrierefreier Zugang: | an den meisten Standorten verfügbar |
| Weitere Informationen unter + 49 (221) 74740055 |
Seminartermine
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